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Was versteckt sich unter der Nordtangente?

Ausgrabungen: Archäologen suchen nach historischen Zeugnissen entlang der künftigen Trasse

Von RZ Redakteurin Stephanie Mersmann

Koblenz. Irgendwo zwischen Bubenheim und Metternich steht der Bagger zwischen aufgeschütteten Erdwällen und wartet darauf, dass die Arbeit weitergeht. Wo sich zurzeit vor allem Felder erstrecken, soll irgendwann einmal die Nordtangente entlangführen – doch um den lang ersehnten Bau der Straße vorzubereiten, ist der Bagger an diesem Tag nicht da. Er soll ans Tageslicht holen, was in der Erde unter der künftigen Landstraße verborgen liegt.

„Wir arbeiten vor den Straßenbauern vorweg“, sagt Dr. Peter Henrich, Leiter der Außenstelle Koblenz der Landesarchäologie. Bevor die eigentlichen Bauarbeiten voraussichtlich in diesem Herbst beginnen, sind er und sein Team im Niemandsland zwischen den beiden Stadtteilen entlang der bereits abgesteckten Trasse am Werk. Sie sollen die Zeugnisse der Vergangenheit aufspüren – oder schließlich festhalten, dass es solche Zeugnisse an dieser Stelle gar nicht gibt.

Eigentlich haben in dieser Gegend schon immer Menschen gesiedelt, Funde aus der Keltenzeit waren deshalb ebenso zu erwarten wie römische oder mittelalterliche Siedlungsspuren oder sogar solche aus der Jungsteinzeit. Bislang ist davon allerdings nicht viel zu sehen: „Für alle mehr als überraschend haben wir noch keine antiken Strukturen entdeckt“, sagt Henrich.

Bei den Voruntersuchungen zu den Ausgrabungen sah das noch anders aus: Archäologen und Geophysiker hatten Ende 2014 den Grund, auf dem die Nordtangente verlaufen soll, bereits untersucht. Mit einem schweren Messgerät, einem sogenannten Gradiometer, waren sie Kilometer um Kilometer abgelaufen und hatten eine geomagnetische Prospektion durchgeführt, mit der eisenhaltige Objekte, aber auch Mauer- und Fundamentreste, alte Gräben und Gruben sichtbar gemacht wurden. Nach der Auswertung war klar: Unter der künftigen Nordtangente sind keine besonderen Funde zu erwarten wie etwa die alte Römervilla, die sich heute unter dem Kreisel auf dem Weg zum Globus versteckt. Aber hier und da gab es Hinweise auf historische Spuren – und die sollen die Archäologen im Auftrag des Landesbetriebs Mobilität (LBM) nun aufspüren.

Dass diese Suche bislang ohne große Ergebnisse verlaufen ist, ist für die Archäologen nicht so enttäuschend, wie es sich der Laie vielleicht vorstellen könnte. „Es ist eigentlich beruhigend, wenn wir nicht zu viel finden“, sagt Grabungsleiterin Stephanie Braun. „Bei zig römischen Gräben hätten wir dagegen ein Problem“, ergänzt Peter Henrich. Archäologen würden historische Artefakte ohnehin generell am Liebsten im Boden lassen, „da sind sie immer besser aufgehoben“. Bei einem Bauprojekt ist es aber nun mal Pflicht, auch die archäologischen Funde zu dokumentieren: sie freizulegen, zu fotografieren, zu vermessen und zu zeichnen. Große Funde wie Fundament- oder Mauerreste werden dann möglichst wieder zugeschüttet, kleine Teile gesichert und archiviert.

Und so zieht Braun mit ihrem kleinen Team – zurzeit ist sie meist mit einem Kollegen und dem Baggerfahrer unterwegs – an der künftigen Trasse der Nordtangente über die Felder. Vom Anfang bis zum Ende der Straße, also vom Ikea-Kreisel bis nach Metternich, können sie dabei allerdings nicht vorgehen. Dafür muss der LBM erst alle Grundstücke entlang der Trasse gekauft haben – ein Großvorhaben, das immer noch nicht abgeschlossen ist. Und so buddeln die Archäologen immer da, wo ein Grundstück bereits im Besitz des Landesbetriebs ist. Und das wird noch eine ganze Weile dauern.

Quelle Rhein Zeitung 28.08.2015

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