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Altes Handwerk neu entdeckt

Masterstudent Paul Haustov baut historischen Schmelzofen auf dem Gelände der Universität Koblenz

Koblenz. Was geschieht, wenn die Leidenschaft für Kunst und deren schöpferische Verfahren auf die Begeisterung für technische Vorgänge trifft, konnte auf dem Gelände der Universität Koblenz beobachtet werden. Am 3. Juni wurden die Studierenden, Dozierenden und Mitarbeiter der Koblenzer Universität Zeugen eines außergewöhnlichen Projektes.

Nach einer halbjährigen Vorbereitungszeit präsentierte Paul Haustov, ein Student der Kunstwissenschaften an der Universität Koblenz, seine Rekonstruktion eines Zwei-Kammer-Feuerofens. Hierbei orientierte er sich an einem Ofentypus, dessen Funktionsprinzip erstmalig Anfang des 16. Jahrhunderts mit dem Ziel entwickelt wurde, sehr große Mengen Bronze in lediglich einem Durchgang einschmelzen und gießen zu können. In diesen Öfen war es möglich, bis zu 12 Tonnen Bronze oder Messing einzuschmelzen, um somit tonnenschwere Glocken oder überlebensgroße Bronzestatuen zu gießen.

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Der auf dem Universitätsgelände errichtete Ofen war selbstverständlich um einiges kleiner, war jedoch in seiner Funktionsweise ein direktes Zitat dieses Renaissance-Schmelzofens.

Die am 3. Juni stattgefundene Präsentation war der Höhepunkt der Abschlussarbeit des Studenten zur Erlangung des akademischen Grades „Master of Education“. In diesem Rahmen führte Paul Haustov nicht nur den eigens gemauerten Ofen vor, sondern heizte ihn ein, um aus 13 Kilo Kupfer, einem Kilo Zinn sowie Zink, selbst Bronze herzustellen und zu gießen. Nach Angaben von Paul Haustov begann er das Anfeuern des Ofens bereits um 3 Uhr nachts, um sicher zu stellen, dass der Ofen bis zur Präsentation die nötige Temperatur erreichen würde, um das Metall einzuschmelzen. Die nötige Schmelztemperatur von 1080 °C erreichte der Ofen erst nach acht Stunden durchgehenden Befeuerns mit geschätzten 90 Kilo Brennholz.

Mit dem Eintreffen der Prüfer sowie zahlreicher neugieriger Zuschauer, welche durch die Rauchsäule des verbrennenden Holzes angelockt wurden, begann das Einschmelzen des Metalls gegen 12 Uhr mittags, bei strahlendem Sonnenschein. Das Schmelzen des Metalls an sich dauerte eine weitere Stunde, in der der Prüfling unermüdlich den Ofen im Minutentakt mit 20 Kilo frischem Brennholz versorgte, um die Temperatur im Inneren des Ofens noch höher zu schüren. Hierbei musste nicht nur darauf geachtet werden, dass genügend Brennholz in der Feuerkammer war, es musste auch der richtige Zeitpunkt für die Zugabe der einzelnen Metalle abgepasst werden, was Paul Haustov durch regelmäßige Kontrolle des Schmelzguts sicherstellte.

Nach erfolgreichem Schmelzen öffnete der Student das Gussloch des Ofens mit Hilfe einer Holzlatte und entließ das flüssige und rot glühende Metall aus dem Bauch des Ofens in eine im Voraus angefertigte Gussform aus Ton. Die Resonanz im Publikum war durchweg positiv, die Zuschauer äußerten zahlreich ihre Begeisterung für den gesamten Vorgang und meinten, sie seien froh gewesen, bei diesem einmaligen Ereignis dabei gewesen zu sein.

Dimitri Hartweg, ein Student aus dem Publikum, sagte: „Es war sehr spannend zu sehen, was mit solchen einfachen Mitteln wie Ziegelstein, Mörtel und Brennholz zu bewerkstelligen ist. Vor allem hat mir aber der Moment des Anstechens gefallen, da man so was in der Regel höchstens im Fernsehen sieht.“

Paul Haustov selbst gab an, dass dieses Experiment für ihn den ersten Schritt auf einem längeren Weg der Beschäftigung mit dem Bronzeguss darstellt und dass er sich freut seine Erfahrungen weiter ausbauen und vertiefen zu können.

Quelle RZ Sonderausgabe Wir von hier 28.08.2015

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