Leserbrief von Johannes Fuck Metternich
Seit über einem Vierteljahrhundert kämpft die Bahninitiative Koblenz-Ochtendung e.V. für die Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke zwischen Koblenz und Ochtendung. Nach Ansicht der Expertinnen und Experten im Bündnis könnte die Trasse eine wichtige Rolle spielen – sowohl für einen barrierefreien Personennahverkehr als auch für den Gütertransport: von der Deponie Eiterköpfe, den beiden ortsansässigen Steinbrüchen, dem Industriegebiet Polch, GVZ A61, Industriepark A61, Dienstleistungszentrum B9 und Metternicher Feld sowie der Landwirtschaft.
Ein Teil der ursprünglichen Strecke ist inzwischen jedoch nicht mehr verfügbar: Der Landkreis Mayen-Koblenz hat einen Abschnitt zu einem Radweg umgewidmet. Diese Option ist damit vom Tisch. Erhalten geblieben ist allerdings das Teilstück Koblenz–Bassenheim. Ein von der Stadt Koblenz in Auftrag gegebenes Gutachten kommt für diesen Abschnitt zu einem positiven Nutzen-Kosten-Faktor von 1,5 – ein Wert, der die Wirtschaftlichkeit einer Reaktivierung grundsätzlich bestätigt.
Zwölf Strecken, ein vergleichbares Gutachten – und viel Schweigen
Auf Landesebene hatte die damalige Koalition aus SPD, Grünen und FDP ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben, das insgesamt zwölf in Rheinland-Pfalz reaktivierbare Bahntrassen untersuchen und miteinander vergleichen sollte. Auf dieser Grundlage sollte der Landtag eine Rangfolge für die Umsetzung beschließen.
Geschehen ist das nicht. Bis zum Ende der Legislaturperiode – und der Abwahl der Koalition – wurde weder eine entsprechende Vorlage in den Landtag eingebracht noch eine Entscheidung getroffen. Das Gutachten existiert nachweislich und wird auch zitiert, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde es bislang jedoch nicht. Sämtliche Versuche, Einblick zu erhalten, blieben erfolglos – Anfragen beim zuständigen Ministerium, über die Plattform „Frag den Staat“ sowie bei Landtagsabgeordneten wurden allesamt abschlägig beschieden oder verliefen im Sand. Das Gutachten bleibt unter Verschluss.
Was steht auf dem Spiel?
Für die Region geht es um mehr als eine einzelne Bahnstrecke. Ohne die Reaktivierung der Trasse Koblenz–Bassenheim fehlt eine potenziell klimafreundliche Alternative für den Schwerlastverkehr, der heute über die Straße abgewickelt wird – mit entsprechenden Folgen für Lärm, Verschleiß und CO₂-Bilanz. Gleichzeitig bliebe eine Chance auf einen barrierefreien, schienengebundenen Nahverkehr ungenutzt, der gerade angesichts steigender Mobilitätsanforderungen – Stichwort mögliche Brückensperrungen über Rhein und Mosel – an Bedeutung gewinnt.
Hinzu kommt eine grundsätzlichere Frage: Wenn ein mit Steuergeldern finanziertes Gutachten, das über die Zukunft mehrerer Bahnstrecken im Land entscheiden soll, nicht veröffentlicht wird, fehlt die Grundlage für eine informierte öffentliche Debatte – und für die demokratische Kontrolle solcher Entscheidungen. Solange das Gutachten unter Verschluss bleibt, lässt sich weder beurteilen, wie die Trasse Koblenz–Bassenheim und die Brexbachtal-Strecke im landesweiten Vergleich abschneiden, noch, warum bislang keine politische Entscheidung getroffen wurde.
Der Zustand der Brücken über Rhein und Mosel wird immer wieder mit notwendigen Instandsetzungsmaßnahmen in Verbindung gebracht. Brückensperrungen sind – wie man in Bonn beobachten konnte – oder unvorhergesehene Ereignisse wie beim Einsturz der Carolabrücke in Dresden nicht auszuschließen. Hat das Gutachten für die beiden genannten Strecken tatsächlich untersucht, ob sie im Falle einer Sperrung der Bendorfer Brücke (A48), der Pfaffendorfer Brücke, der Europabrücke (B9) oder der Südbrücke (B327) eine Entlastung bringen könnten?
Außergewöhnliche Pendlerbelastung durch Spritpreise?
Außergewöhnlich sind die derzeitigen Spritpreise, unvorhersehbar sind sie allerdings nicht. Durch die CO₂-Abgabe auf Treibstoff soll der Preis zusätzlich um 60 Cent steigen. Damit will man die Verkehrswende beschleunigen. Dafür braucht es aber ein Alternativangebot. Fahrradwege sind im Nahbereich wichtig, doch in der Peripherie braucht es eine schnelle, komfortable Alternative zum motorisierten Individualverkehr.
Die Reaktivierung stillgelegter Schienenstrecken stand ausdrücklich im Koalitionsvertrag der inzwischen abgewählten Landesregierung SPD, Grün und FDP. Grafik: SWR 2023.
Johannes Fuck Metternich – 21.09.2026
Der Metternicher Aktuelles aus Koblenz Metternich
