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„Kosten für Radweg explodieren“

Auf dem rund 1,8 Kilometer langen Stück der Mayener und Trierer Straße zwischen der Rübenacher Straße und der Europabrücke sollen an beiden Seiten der Straße Radschutzstreifen entstehen.

Leserbrief von Kurt Weißkopf, Koblenz

An der Mayener und Trierer Straße befindet sich bis auf kurze Teilstücke ein fast durchgängiger Radweg von eineinhalb Metern Breite. Lediglich an zwei Stellen ist der Bürgersteig so schmal, dass Fußgänger gezwungen sind, an diesen Stellen den Radweg zu benutzen. Mir ist nicht bekannt, dass es an diesen Stellen jemals Konflikte zwischen den Verkehrsteilnehmern gab.

Nun soll auf der gesamten Strecke auf der Fahrbahn eine neue Radverkehrsanlage entstehen, deren Kosten sich von der ersten Planung von circa 150 000 Euro (Februar 2020) auf nun circa 400 000 Euro summieren sollen. Hier wird durch die zusätzliche Installation von zwei Bedarfsampeln der Verkehrsfluss erheblich beeinträchtigt, und – was im RZ-Artikel nicht erwähnt wird – es soll gemäß Planung in der abknickenden Kurve der Trierer in die Rübenacher Straße eine zusätzliche höhengleiche Straßenquerung eingerichtet werden, da dort nur eine Unterführung vorhanden sei. Unter anderem soll für den „neuen“ Radweg die Anzahl der Parkflächen um mehr als die Hälfte von derzeit 228 auf 120 Parkmöglichkeiten reduziert werden.

Durch hohe Bautätigkeit und Aufteilung vieler Wohnungen in Wohngemeinschaften hat sich das Problem verschärft. Ob sich die Mehrheit der Radfahrer auf diesen Weg direkt zwischen parkende beziehungsweise fahrende Kraftfahrzeuge begeben wird, ziehe ich stark in Zweifel. Hier kann sicher nicht von einer „Human Protected Bikelane“ gesprochen werden. Einen Fußweg von mehr als zwei Metern Breite halte ich ebenfalls für übertrieben.

Rhein Zeitung – 12.11.2020

2 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Weißkopf,

    Ihre Bedenken sind berechtigt, da man an den grundsätzlichen Bedingungen nichts ändern will. Man gibt viel Geld aus, ohne nennenswerten Erfolg eines höheren Modal Splits an Fahrradnutzung zu erreichen. Dadurch bleibt der PKW-Anteil und der hohe Bedarf an Parkplätzen. Die jetzige Planung ist hasenfüßig.

    1. Sie gehen davon aus, dass der hohe PKW-Anteil durch Wohngemeinschaften einen entsprechenden Anteil Parkplätze vor der Tür benötigt. Das ist ein falscher Ansatz. In anderer Städte sind 1/3 weniger PKW / Kopf gemeldet. Studenten und junge Familien verzichten gerne auf einen eigenen PKW. In Holland strebt man einen Anteil von 1 PKW pro 3 Haushalte an. Das ist ein weltweiter Trend. Der PKW-Anteil kann massiv gesenkt werden, was man an anderen Städten erkennen kann.

    2. Straße ist kein Parkplatz! Parkplatz ist keine öffentliche Aufgabe. Jeder muss für einen eigenen Stellplatz sorgen. Überall in Metternich entstehen aufgrund einer falschen Verkehrspolitik Parkhöfe. Grundstücke werden zu 100% versiegelt. Das ist eine Fehlentwicklung. Wir brauchen Grünflächen für ein angenehmes Stadt-Klima und Sickerflächen für Oberflächenwasser. Allgemein werden die ökologischen Folgen dieser verfehlten Stadtplanung beklagt. Der PKW-Anteil kann massiv gesenkt werden, was man an anderen Städten erkennen kann.
    Grundsätzlich muss der PKW-Anteil massiv gesenkt werden. Wir benötigen eine Alternative zum MotorisiertenIndividualVerkehr (MIV). Dafür muss man sichere und schnelle Radwege bauen. Das ist die Grundvoraussetzung, dass sich etwas an unserem Verhalten ändert. Industriegebiet Wallersheim/Rheinhafen, Stadtzentrum, Verwaltungszentrum und Uni ist von Metternich im Nahbereich und muss gut und sicher mit dem Fahrrad und zu Fuß erreichbar sein.

    3. Das was von Herrn Flöck vorgelegt wird, erfüllt diese Anforderung einer „Human Protected Bikelane“ nicht. Es gibt Mindestbreiten einzuhalten, Abstand zum fließenden Verkehr ist zu beachten und man sollte das zukünftige Fahrrad-Verkehrsaufkommen berücksichtigen. Die Planung für einen sicheren Radweg darf auch nicht nur die 1,8 km berücksichtigen, sondern muss durchgängig geplant werden, bis in die Stadt oder ins Verwaltungszentrum. Neben dem natürlichen Hindernis Mosel ist die B9 und die Rheinschiene ein fast unüberwindbares Bollwerk für Fußgänger und Radfahrer und nur für die PKW – sogar kreuzungsfrei und ohne Ampel – leicht zu überwinden.

    4. Mit dem Schaffen des Radwegs sollte es auch um eine Umgestaltung der Trierer Str. gehen. Weg von einer „Stadtautobahn“ bei der man nicht zum Aldi oder in die Karl-Russen-Straße über die Gegenfahrspur abbiegen kann. Die Anlieger und die Seitenstraßen müssen über die Trierer Straße erreichbar sein, das ist Sinn und Zweck einer Straße.

    5. Die jetzige vierspurige Straßenflucht fördert ein Aufheizen. Man muss die Straße zur Allee umgestalten. Bäume als Schattenspender und als Absorber von Schall steigert die Lebensqualität. Ein verengen der Straßenflucht reduziert auch die Geschwindigkeit des MIV.
    Diese Spirale der Abhängigkeit von einem eigenen PKW und den MIV muss unterbrochen werden. Mit über 20.000 Einwohner – in Metternich, Bubenheim und Lützel – und einer möglichen Fahrradquote von 60%, die in anderen Städten im Nahbereich von 6km erreicht werden, braucht man leistungsfähige Fahrradwege die auch den unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden. E-Lastenrad-Biker, Powerbiker mit hoher Gechwindigkeit und Normalos auf dem Weg zur Arbeit / Schule sind zu berücksichtigen. Der jetzige Radweg und auch der geplante auf der Straße markierte Radweg erfüllt diese Anforderungen nicht. Der jetzige Gehweg ist viel zu schmal und wird von Mülltonnen, Straßenlaternen und Schilder auch noch blockiert. Fahrradwege sollen nach neusten Erkenntnissen eine Breite einer normalen Fahrbahn haben – 3,20 m – und möglichst ohne Gegenverkehr. Der Gehweg sollte lt. einer Richtlinie bei einer so stark befahrenen Straße und hohen Bevölkerungsdichte 2,50m betragen.

    Erst wenn der Bürger sich sicher fühlt, wird er sein Mobilitätsverhalten ändern. Andere Städte und auch MEGA-CITYS machen es vor. Der Flächenbedarf und die Kosten für den Straßenbau ist für PKW ein vielfaches höher – mit einer Neuausrichtung auf Radnutzung spart die Stadt viel Geld. Übrigens der Klimawandel, Energiebedarf und Kosten für ein E-Auto und Bevölkerungswachstum wird die jetzige Entwicklung, hin zum Fahrrad, beschleunigen. Der Veränderungsdruck steigt, wird auch schon wahrgenommen aber in Koblenz werden die notwendigen Maßnahmen nur hasenfüßig berücksichtigt.

  2. Sehr geehrter Herr Fuck,

    ich habe ihre Argumente intensiv bewertet und möchte einige davon direkt kommentieren. Doch zuvor: Leider hat die Stadt Koblenz bei der Ansiedlung von großen Behörden und Dienstleistern in den Verwaltungs- und Dienstleistungszentren nicht darauf geachtet, dass diese Stellen genügend Parkraum für ihre Mitarbeiter zur Verfügung stellen oder diese Zentren besser an den ÖPNV anzubinden (es fehlt immer noch der Haltepunkt Verw.zentrum, Rauental). Zudem hat man die Universität auf einem viel zu kleinen Gelände ausgewiesen. Doch nun zu Ihren Punkten im Einzelnen:

    zu 1.) Sie verweisen, wie schon des Öfteren, auf andere Städte und dann auch noch auf das flache Land. Ich finde den Vergleich zu beispielsweise Darmstadt, Münster oder die Niederlande nicht gut, da die Mittelgebirgs-lage von Koblenz mit 2 großen Flusstälern hier nicht zum Vergleich geeignet ist.
    Es wäre illusorisch zu denken, dass alle Arbeitstätigen am Wohnort ihrer Arbeit nachgehen könnten. Manchmal pendeln 3 Personen aus einem Haushalt (Bewohner in meiner Nachbarschaft) zu unterschiedlichen Zeiten in entgegengesetzte Richtungen zur Arbeit.

    zu 2.) „Die Straße ist kein Parkplatz“ – schön und gut. Vielleicht haben Sie es in der Presse gelesen, dass in einer Nachbargemeinde (St. Sebastian (?) Stellflächen auf der Straße ausgewiesen werden müssen. (Leider habe ich diesen Artikel nicht verwahrt.)
    In den 1960er Jahren hat man aufgrund der zunehmenden Mobilität die Trierer-/Mayener Str. auf 4 Fahrstreifen ausgebaut, um der Verkehrsbelastung zu genügen. Auch meine Schwiegereltern mussten den Vorgarten ihres Hauses für den Ausbau der Straße hergeben. Es ist doch daher logisch, dass bei der Zunahme der Mobilisierung (Mobilität von Arbeitnehmern wird von der Regierung erwünscht.) an den alten Mehrfamilienhäusern, teilweise zwecks Rendite in WG umgewandelt, heute evtl. nur ein Stellplatz zur Verfügung steht und an den Stellen, wo noch etwas Grün vorhanden war (wer soll es pflegen?) entweder Schottergärten oder Parkhöfe entstehen.

    zu 3.) Ich habe vor der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung (ASM) dem Baudezernenten Flöck, dem Radfahrbeauftragten und den Fraktion meine Ablehnungsgründe für den Beschlussvorschlag BV/0761/2020 mitgeteilt. U. a. habe den gleichen Adressaten unter Beibehaltung des vorhandenen Radweges an der Mayener-/ Trierer Str. Radfahrbeziehungen aufgezeigt von diesseits der Mosel in die Stadtmitte, zum Verw.zentrum und zur Uni und zurück zu gelangen, wie sie heute vermehrt genutzt werden, jedoch leicht veränderungsbedürftig sind.

    zu 5.) Der Radfahrbeauftragte hält einfach daran fest, dass der z. Zt. vorhandene Radweg den Anforderungen einer modernen Radverkehrsanlage nicht entspricht. Er betrachte jedoch nicht die Situation im Saarplatzkreisel, der Moselweißer Str. + Fortsetzung oder der Victoria -/ Hohenzollernstraße oder gar derer auf der Balduinbrücke.

    Der jetzige Gehweg ist nur an einigen Stellen (Mayener Str. 158 und Trierer Str. 5 u. 6 a) und bezüglich der Laternenmasten, möchte ich Sie bitten sich nochmal ein genaues Bild zu machen; diese stehen an den Stellen, wo sich im Hintergrund Grünflächen, Vorgärten oder Parkhöfe befinden am Rand des Gehweges, die anderen stehen direkt an den Gebäuden. Allerdings stehen Mülltonnen, Verkehrsschilderpfosten und Ampeln in den kritischen Bereichen.
    Bei der Sitzung des ASM am 10.11. machte ein Ausschuss-Mitglied tatsächlich den Vorschlag, auf der Straße, wo erforderlich, Stellplätze für Mülltonnen auszuweisen.

    Die Verwaltung hat die Absicht die o. g. BV in der vorliegenden Form am 07.12. dem Haushalts- und Finanzausschuss vorzulegen und danach am 18.12. im Stadtrat darüber abstimmen zu lassen. In der Sitzung des ASM hat jedoch die CDU-Fraktion in dieser Angelegenheit Beratungsbedarf angemeldet.

    Wenn nun wie geplant von den derzeit genutzten 228 Stellplätzen nur noch 118 übrig bleiben, werden sich die verbliebenen Gewerbetreibenden, 4 Friseure für Mensch und Tier, Änderungsschneidereien, etc. und der letzte Gastronom bald wegen kundenunfreundlicher Lage aufgeben – was ich nicht hoffen mag.

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