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Gestaltung bedenken, Zukunft entwerfen

Die Tagung „Designästhetik – Theorie und soziale Praxis“ verband kulturwissenschaftliche Perspektiven und Anwendungspraxis

Wahrnehmung, Schönheit und Kritik sind Begriffe, die gemeinsam abbilden, was man Design-Ästhetik nennen könnte. Was sich in der Design- und Kulturgeschichte sowie in der gesellschaftlichen Gegenwart dahinter verbirgt, welche wissenschaftlichen Blicke dafür relevant sind und wie sich dieses auch technologisch wichtige Thema entwickeln wird – diese Fragen standen im Fokus einer internationalen und interdisziplinären Tagung zum Thema Designästhetik.

Diese Tagung der Universität Koblenz-Landau und der Hochschule Furtwangen in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Ästhetik und dem Arp-Museum Bahnhof Rolandseck versuchte, vielschichtige Antworten zu entwickeln. Das Museum empfahl sich dabei durch seine besondere ästhetische Qualität, historisches und gegenwärtiges Design zu verbinden – und ebenfalls durch seine Sammlungen, die auch Exponate des Dadaismus einschließen.

Passenderweise befasste sich der Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Rolf Sachsse mit dem Thema „Design und Dada“. Sachsse präsentierte einen historischen Abriss der Entwicklungen, die durch Dada angeregt worden sind. Noch etwas weiter griff  Prof. Dr. Bernhard E. Bürdek in seinen Ausführungen zum Thema „Über Sprache, Gegenstände und Design revisited“. Beide zeigten an zahlreichen Beispielen: Sprache und Design gehörten und gehören eng zusammen.

Viele Vortragende wiesen Ausblicke in die Zukunft, mit Themen wie „Design und deep learning. Zur Ästhetik einer künftigen Interaktion von Mensch und selbstlernenden Systemen“ (Prof. Dr. Martin Gessmann) oder „Memorial Design Pattern – Entwurfsmuster in der Gestaltung digitaler Erinnerung“ (Dr. Susanne Haake). Haake beleuchtete, wie Erinnerungen von Holocaust-Überlebenden dauerhaft digital zur Verfügung gestellt werden können. Gleichzeitig standen philosophische Fragestellungen im Mittelpunkt, so etwa im Hinblick auf „Nominalismus und Realismus“ (Prof. Dr. Gerhard Schweppenhäuser“), auf „Design-Ästhetiken und -Verständnisse aus dem afrikanischen Raum“ (Prof. Dr. Michaela Ott) oder hinsichtlich einer „Archäologie der Artefakte“ (Prof. Dr. Knut Ebeling) bzw. der psychologischen Langlebigkeit von Design-Produkten (Johannes Lang).

Einblicke in die sowohl industrielle wie künstlerische Praxis gab schließlich einerseits Klaus Frenzel, der die User Experience und eine Designstrategie der sinnlichen Klarheit von Mercedes Benz präsentierte und dazu das neue digitale Design für die Bedienung der entsprechenden Bordelektronik vorstellte. Ebenso ungewöhnlich für eine wissenschaftliche Tagung waren andererseits die beiden Performances der Künstler Alice Günther und Alfons Knogle, die mit Keramik und anderen Materialien kritische Zukunftsszenarien entwarfen.

Die drei Veranstalter Prof. Dr. Oliver Ruf von der Hochschule Furtwangen, Prof. Dr. Stefan Neuhaus von der Universität Koblenz-Landau und Dr. Oliver Kornhoff, Leiter des Arp-Museums, fassten zusammen: Eine solche transdisziplinäre Zusammenarbeit, die Design als ästhetisches Phänomen in seiner Entwicklung, seinen aktuellen Ausprägungen und seinen zukünftigen Gestaltungsmöglichkeiten in den Blick nimmt, verlangt vehement nach einer Fortsetzung. Zunächst werden sich die Energien aber auf die Herausgabe eines Sammelbandes konzentrieren, der die Ergebnisse publizieren wird. Dessen Erscheinen ist für 2019 im transcript-Verlag vorgesehen.

Dr. Birgit Förg Universität Koblenz-Landau – 18.06.2018

 

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