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Bahnstrecken wieder zum Rückgrat des Nahverkehrs machen – auch im Norden unseres Landes!

Bündnis für Verkehrswende nördliches Rheinland-Pfalz

Zeitgleich fordert Der Städtetag Auswege aus dem Verkehrskollaps. So war es in den Nachrichten im SWR1 am 21.06.2016 zu hören. Dazu werden mehr Busse, mehr Bahnen und mehr Radwege gefordert – was gleichzeitig bedeutet, dass zahlreiche vor allem autogerechte Straßen aus den 60er und 70er Jahren umgebaut werden müssten.

Stadt Koblenz schafft Fakten. Baubeginn der Nordtangente. Eine Straßen-Planung der 60er und 70er Jahre wird jetzt rudimentär umgesetzt. Schlimmer noch, es entsteht ein ganzes Gewerbegebiet von der B9 bis zur A61 ohne sichere Radwege oder Fußgängerweg. Ein kombinierter Rad-/Gehweg ist was für ungeübte Radfahrer mit hohem Gefährdungspotential der Fußgänger. Bei berufstätigen Pendlern, sogenannte Profis, Powerbiker oder Kampfradler und E-Bike-Fahrer sind Geschwindigkeiten von mehr als 25 km/h üblich. Die benötigen gut ausgebaute separate Fahrbahnen mit Vorfahrtsregeln und  optimierte Ampelschaltung – gleichen Rechte wie Autos. 70% aller Autofahrten sind nicht länger als 4-6 km. Es gibt Städte die schaffen eine Quote von 60% Fahrradanteil. Pendler die längere Strecken zurücklegen oder große Höhenunterschiede bewältigen müssen  brauchen einen leistungsfähigen ÖPNV. Stadtbahnen mit der Möglichkeit der Fahrradmitnahme ist da die 1. Wahl. Eine Quote von 40% wird auf den Strecken erreicht.

Im Süden werden erfolgreich alte Nebenstrecken reaktiviert und auch neue gebaut. Aktuelle Beispiele: Mainz-Wiesbaden-Taunus. Zweibrücken-Homburg. Die Stadt Koblenz als DAS Oberzentrum im nördlichen Rheinland-Pfalz ist nach wie vor Auto-Fokusiert. Die Stadt Koblenz will die Bahnstrecke Koblenz-Bassenheim entwidmen.

Gleise sind weg. Kommt die Bahnüberführung mit einer sinnvollen Nutzung der Bahnstrecke? Foto Johannes Fuck

Neues Verkehrswende-Bündnis plant weitere Aktivitäten zum Erhalt von Schienennebenstrecken, die derzeit außer Betrieb sind und diskutiert Möglichkeiten einer attraktiven Nutzung für Güter-, Freizeit- und Nahverkehr – Stadtwerke als Betreiber eines Güterbetriebes?

Das neu gegründete Bündnis für Verkehrswende nördliches Rheinland-Pfalz hat in seiner zweiten öffentlichen Sitzung seine Zusammenarbeit organisiert und weiter ausgebaut. Themen waren zunächst die Verhinderung einer Entwidmung der in städtischem Besitz befindlichen Strecke Koblenz-Lützel – Bassenheim und die intensivere Nutzung aller Nebenstrecken im Stadtgebiet. Dazu gehören auch die Gleise der Stadtwerke vom Hafen Wallersheim durch das Industriegebiet nach Lützel. Egbert Bialk vom BUND Koblenz: „Es ist ein Unding, dass bei Kesselheim gerade die Firma REWE ein riesiges Zentrallager baut, weite Flächen neu versiegelt werden und weder Solaranlagen vorgesehen sind noch ein Bahnanschluss. Die Gleise liegen doch direkt nebenan – hat die Stadt keinerlei klimapolitischen Auflagen gemacht?“ Auch der Hafen könne von einer Belebung der Gleise nur profitieren und die Straßen würden von LKW entlastet. Das Bündnis für Verkehrswende regt an, dass die Stadtwerke auch einen Schienenanschluss zum Gewerbepark am Koblenzer Kreuz betreiben könnten. Schließlich sei der Abzweig bei Rübenach rechtskräftig planfestgestellt, und manche Firmen warten darauf, dass das, was in Ihren Nutzungs­verträgen stehe, nämlich möglicher Gleisanschluss, auch Wirklichkeit werde. „Vor diesem Hintergrund und dem aufkommenden Klima- und Verkehrskollaps wäre es unverantwortlich, die Strecke nach Bassenheim jetzt zu entwidmen. Und das werden wir demnächst auch Herrn OB Langner deutlich machen“, so Bialk. Für den 8. Juli ist eine Fahrradbefahrung der alten und möglichen neuen Trassen von Bassenheim über Rübenach und Metternich geplant, um aufzuzeigen, dass eine Überbauung der alten Gleise mit einem Radweg die schlechteste Lösung sei.

Michael Carl, stellvertretender Landesvorsitzender des BUND Rheinland-Pfalz verwies auf seine Initiative zur Elektrifizierung weiterer Strecken im Land. „Neben Nahe- und Lahnstrecke muss das Land auch für die Strecke Köln-Gerolstein-Trier schnellstens Mittel aus dem Fördertopf des Bundes beantragen. Eigentlich gehören viele regionale und alle stadtnahen Strecken elektrifiziert und durch moderne S-Bahn-Fahrzeuge genutzt. Die Bahn muss auch im Norden Rückgrat des Nahverkehrs werden. Der Verkehrssektor muss schnellstens auf erneuerbare Energien umrüsten, und das geht nur mit Ökostrom statt Diesel.“

Bernd Kruse von der IG Westeifelbahn berichtete von der bisher mangelhaften Unterstützung der Wieder­inbetrieb­nahme der Strecke Gerolstein-Prüm durch die Politik, obwohl hier sogar ein Betreiberunternehmen bereitstand. Von einer modernisierten Strecke Köln-Trier könne die Eifelregion nur profitieren und eine Durch­bindung der Ost-West-Strecke Andernach – Kaisersesch – Daun – Gerolstein – Prüm bekäme neuen Auftrieb. Im Übrigen wäre so auch eine umweltverträgliche Alternative zum Weiterbau der Autobahn A1 geschaffen.

Gernot Kallweit, Brexbachtalbahn e.V., stellte seine druckfrische Broschüre mit vielfältigen Nutzungsideen für diese Traditionsstrecke vor. Sie ist erhältlich auch über das BUND-Büro Koblenz. „Die Brex ist eine der schönsten Strecken in Deutschland. Mit ihr sind der Schmetter­lingspark und die Sayner Hütte, das Sayner Schloss und die Abtei, das Pfadfinderlager und der Kletterpark, die Burg und der Ort Grenzau sowie die Töpferstadt Ransbach-Baumbach direkt angebunden. Was für ein Juwel eines sanften Tourismus!“ Leider habe die Stadt Bendorf und auch andere Politiker ihre Unterstützung eingestellt. Die Initiative gebe aber nicht auf sondern stecke weiter viel Arbeit in den Erhalt der Gleisanlagen. Für die Zukunft plane sie attraktive Freizeitverkehre, vielleicht ein erster Schritt für mehr.

Berichte von Hans-Peter Günther (Pro Bahn) zur Aartalbahn bei Diez und Holzbachbahn Selters – Puderbach – Altenkirchen rundeten den intensiven Nachmittag ab. Während die Holzbachbahn wegen des Güteraufkommens eines großen Industriebetriebes in Selters im Erhalt gesichert erscheint, ergibt sich bei der Aartalbahn die groteske Situation, dass der Schienenzweckverband Nord hier Nahverkehr ausgeschrieben und vergeben hat, sogar seit einem Jahr bezahlt, ohne dass bisher ein Zug gefahren ist. Günther: „Der Rechnungshof blockiert das, man kann hier sachfremde Interessen vermuten. Das zu Grunde liegende Gutachten jedenfalls ist fehlerhaft.“ Das Bündnis und die Einzelverbände wollen hier in Rheinland-Pfalz und Hessen auf politischem Wege aktiv werden.

Die Teilnehmer des Bündnisses verabredeten die Erstellung von Infomaterial, Flyer, Homepage usw. und eine Teilnahme an einer Klimatour des Bündnisses Klimaschutz Mittelrhein im Oktober, z. B. in Neuwied und Bendorf.

Der Städtetag nutzt die Verkehrswende zur Forderung für mehr Geld. Die Forderung nach Verkehrswende ist auch Chic. Forderung nach Verkehrswende ist kein Feigenblatt für eigene Unfähigkeit sondern muss ernsthaft betrieben werden. Ein „Weiter So…“ und eine autozentrierte Einstellung führt in eine Sackgasse. Jedes Straßenbauprojekt, jeder neue Bebauungsplan, jedes neue Baugebiet und alle Infrastrukturmaßnahmen müssen hinterfragt werden ob ein Leistungsfähiger ÖPNV auf bestehenden Schienen-Nebenstrecken oder Rückbau der Haupt-Straßen und gleichzeitiger Ausbau von Fahrradwege eine Entlastung bringt. Ohne Mehrkosten hätte man die Trier Straße mit einem Radweg ausbauen und zu einer zweispurigen Straße zurückbauen können. Hätte. Wäre. Wenn. Vorbei. Die Pfaffendorfer Brücke wird ohne eigenständigen Radweg geplant!

Das nächste öffentliche Treffen wird am 29.8.2018 um 14:30 Uhr im BUND-Büro Koblenz sein. Weitere Informationen und Kontakt: Bündnis für Verkehrswende nördliches RLP über:  BUND-Regionalbüro Koblenz, Kornpfortstraße 15, 56068 Koblenz, regionalbuero-koblenz@bund-rlp.de, Tel 0261-9734539, Egbert Bialk (ViSdP)

Johannes Fuck Bündnis für Verkehrswende nördliches Rheinland-Pfalz – 23.06.2018

2 Kommentare

  1. Der Satz“gleiche rechte wie Autofahrer“stösst mir bisschen sauer auf
    Wie soll mann Radfahren,die sich gegen die Regeln verhalten(nümmerchen aufm Rücken=Vorfahrtsberechtigt,keinerlei Beleuchtung,am Stau rechts oder links vorbei fahren,u.s.w.)habhaft werden?Kennzeichen haben sie keine und auf die Ordnungsbehörden brauch mann ohnehin nicht zu hoffen
    Bin mal gespannt,wann so ein“böser“Kraftfahrer den ersten Radler umgenietet hat
    In meine. Augen ist diese Nordtangente völlig falsch geplant,sie hätte als verlängerung der L52 am BWZK angeschlossen werden müssen

    • Ja, die Helden. Ich kenne aber mehr Unfälle wo der Fahrradfahrer ohne eigene Schuld der Schwächere war. Beispiel:
      – Ein falsch parkendes Auto auf dem Fahrradweg, Mayener Straße. 06.07.2018.
      – Bei rot über die Ampel und Fahrradfahrer gestreift auf dem Friedrich-Ebert-Ringt. 08.07.2018.
      – Auto hat Fahrrad am Ende eines Fahrradweges übersehen. Aachener Straße. 2017 (?) Das gibt es auch.
      ADFC fordert: Fahrradwege müssen sicherer werden.
      – Keine Kombi zwischen Fussgänger und Fahrrad.
      – Möglichst durchgehend. Fahrradweg Ende. 50m. Wo gibt es so was bei einer Autobahn?
      – Grüne Welle und Vorfahrt wie Autos. Man fährt ja nicht zum Spass sondern will zur Arbeit oder Schule!
      Bundesstatistik Fahrradfahrer für 2016: 73.474 Unfälle, 251 Tote, 12.016 schwer Verletzt, 61.207 leicht Verletzt. Quelle destatis.

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